Orlando
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Orlando

nach dem Roman von Virginia Woolf

aus dem Englischen von Melanie Walz

Regie: Lily Sykes

Schauspiel Hannover

Witzig, boshaft, schillernd und voller Provokationen – „Orlando“ gilt als Meisterwerk der literarischen Moderne. Die Geschichte des jungen, englischen Lords setzt ein im 16. Jahrhundert: Gutaussehend und wortgewandt wird er Geliebter der Königin Elisabeth I., geht als Gesandter an den Hof des Sultans in Konstantinopel und erwacht nach einem rauschenden Fest – als Frau. Kaum alternd durchstreift Orlando vier Jahrhunderte britischer und europäischer Menschheitsgeschichte, wird Poetin, Prinzessin, Liebende, gibt Partys im aufgeklärten 18. Jahrhundert, liebt Männer und Frauen, Prostituierte wie Adelige, heiratet im zugeknöpften Viktorianischen Zeitalter einen Mann, um am Ende freischaffende Künstlerin und alleinstehende Mutter im 20. Jahrhundert zu sein.

Virginia Woolfs „Orlando“, diese „Biografie“ aus dem Jahr 1928, wird eines ihrer bekanntesten Bücher, nicht zuletzt, weil sie in ihm scheinbar Unverrückbares demontiert: Stand, Status, Geschlecht und Geschichtsschreibung, Macht, Posen und Konventionen. Es ist ein visionäres Werk, mit einem der schillerndsten Held*innen der Literaturgeschichte: die Überfülle an Identitäten sprengt jede enge Zuschreibung und starre Kategorisierung. Diese unablässigen Verwandlungen machen Orlando geradezu zur Paraderolle für eine der ganz großen Schauspieler*innen unserer Zeit, für Corinna Harfouch in all ihrer Vielseitigkeit, voller Witz und Leichtigkeit. Orlando erlebt, wie Menschen, Natur, Systeme und Regime sich in einem ständigen Wandlungsprozess befinden; wie sich Sitten, Gebräuche und Vorstellungen davon, was Begehren und Geschlechterrollen sind, Epoche für Epoche verändern. Ein Triumph der Fantasie über die Biografie, des Theaters über die Realität.

„Sykes gelingt ein unterhaltsamer ‚Orlando‘, der dem Publikum nichts aufdrängen möchte, aber dennoch unter all der Oberfläche in die Tiefe geht. Das Duo Harfouch-Olivo transportiert alle Ironie, aber auch die Einsamkeit mit lustvollem Spaß an Übertreibung. Es ist eine subtile Inszenierung, die nicht auf den großen Effekt setzt, aber dennoch kondensiert und mit Sinn für Timing das Publikum bei diesem eigentlich ernsten aktuellen Thema zum Lachen und beim Applaus schließlich sogar zum Aufstehen bringt.“ (Nachtkritik)

Altersangabe: 14 +

Mit: Corinna Harfouch, Oscar Olivo
Regie: Lily Sykes
Bühne: Jelena Nagorni
Kostüme: Jelena Miletic
Musik: David Schwarz
Dramaturgie: Sonja Anders

Dauer: 01 Std. 30 Min
keine Pause

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