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Kleines Theater
©Kerstin Schomburg
 
DIE HELDEN AUF HELGELAND
Schauspiel von Henrik Ibsen
Regie Roger Vontobel
Deutsches Schauspielhaus in Hamburg
Bühne: Claudia Rohner
Kostüme: Nadine Grellinger
Virtuelle Realisation: two antennas
Licht: Boris Preuschmann
Es spielen: Hans-Caspar Gattiker, Janning Kahnert, Julia Nachtmann, Jana Schulz, Jürgen Uter, Martin Wolf
»nordische heerfahrt« heisst dieses ganz frühe stück ibsens in der ersten deutschen übersetzung. beide titel suggerieren mythische wikingerdramatik. das täuscht. es handelt sich schlicht um ein ehedrama. auch in grauer vorzeit schlug man sich mit beziehungskisten herum. männer und frauen passen einfach nicht zusammen.
Dieser Lehrsatz reifer Lebensphilosophie, von Loriot entlehnt, wird bei Ibsen nicht mit pfundschweren Whiskygläsern ausgetragen.
Wie bei unseren Nibelungen werden Speer und Bihänder bevorzugt, aber auch das entbehrt nicht Dramatik und Blut, literweise.

Roger Vontobel ist als Regisseur zu intelligent, um sich auf derlei
Mummenschanz einzulassen. Andererseits will er die große Geste und
den fremden Atem nicht im psychologischen Kleinklein eines zeitgenössischen Wohnzimmers domestizieren. Er stürzt sich und seine Darsteller mutig und konsequent in die 3D-Welt des Second Life. Die Wälsungen- und Nibelungen- und Wikinger-Märchen- und Sagen-Welt verbindet sich hier freimütig mit Der Herr der Ringe, ohne den Ibsen’schen Faden eines Ehekriegs, einer Zimmerschlacht zu verlieren. Der Cyberheld erlegt den Eisbären, um die Hand der Geliebten zu gewinnen. Die aber heiratet den Anderen. Was nun?

„Das Stück spielt in der Zeit von Erik Blutaxt“, verspricht der Autor
uns mit seiner einleitenden Regieanweisung. Drohung und Verheißung
zugleich. Vontobel bietet beides. Er kneift nicht, schafft aber eine neue,
moderne, ästhetisch faszinierende Erzählebene. Das macht Spaß.