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Dr Frank Hoffmann

GRUSSWORT

IM OSTEN WAS NEUES.

 

IM OSTEN WAS NEUES – da bewegt sich etwas! 20 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion versammeln sich 100.000 Menschen in Moskau und bringen die Fassaden ins Wanken. Hundert Jahre zuvor, noch vor der Oktoberrevolution, hatte eine andere Revolution um sich gegriffen – in Russlands Theatern. Große russische Autoren und Regisseure traten aus dem Schatten ihrer europäischen Vorbilder – und überwanden sie. Und heute? Bricht im Osten wieder ein neues Zeitalter an? Die Ruhrfestspiele halten das Ohr hin. Seismographisch.

Das Festival 2012 schlägt einen Bogen Von den fernen Tagen des russischen Theaters in die Zukunft. Bedeutende russische Autoren stehen im Fokus der 66. Ruhrfestspiele. Die Spannweite reicht von Verwechslungskomödien über bissige Satire bis zu melancholischen Liebesgeschichten und historischen Epen. Viele dieser Werke erlangten Kultstatus, ihr Potenzial ist ungebrochen – in Gegenwart und Zukunft!

Gogol war Zukunft! Ein Erneuerer, wie Kleist, missverstanden wie dieser, nahm er Kafka und den Surrealismus vorweg, wie im Tagebuch eines Wahnsinnigen. Mit seinem Revisor – einer der schönsten und bösesten Komödien der Weltliteratur – wird das Festival eröffnet. Alexander Puschkin, Freund Gogols, schuf Eugen Onegin, aus dessen Stoff Choreograph Boris Eifman wildes, modernes Tanztheater kreiert. Mit Onkel Wanja und Die Möwe von Tschechow zeigen die Ruhrfestspiele zwei legendäre Inszenierungen des Großmeisters Jürgen Gosch aus Berlin. Aus Hamburg kommt Luk Percevals Kirschgarten, aus Moskau eine freche Version von Das schwedische Zündholz und aus der Schweiz schickt Daniele Finzi Pasca A Letter to Chekhov.

Ihresgleichen suchen zwei einzigartige Koproduktionen der Ruhr­festspiele: Tolstois Monumentalepos Krieg und Frieden im theatralen Gewand sowie Bulgakows Der Meister und Margarita von Theatermagier Simon McBurney. Wenn dann noch Patrice Chéreau Dostojewskis Großinquisitor interpretiert, spürt man, wie weit sich diese großen Autoren vorwagten – in die Zukunft.

Avantgardistische Dramatik (Es gibt kein Ende), herausragende Artistik (Areja), Balalaika-Rock (Bryats­Band), Tschaikowski in Bildern (Sinfonie Nr. 5), russische Theaterkunst und russische Literatur in der prominenten Lesereihe füllen unser Thema mit Leben.

Doch auch die deutsche Seele wird bewegt: In ihrem Roadmovie begegnen Katja Riemann und Jazzgitarrist Arne Jansen Heine und Schubert. Und Lotte aus Remscheid-Lennep in Botho Strauß’ Groß und Klein kehrt von der anderen Seite der Welt nach Deutschland zurück – in Gestalt der wundervollen Schauspielerin Cate Blanchett.

Viele Uraufführungen geben dem Festival seine Eigenart, darunter ein bisher unentdecktes Stück von George Tabori sowie das Gewinnerstück des Kleist-Förderpreises 2012.

Genießen Sie die Ruhrfestspiele und erleben Sie das größte FRINGE Festival, das es bisher in Deutschland gegeben hat!

In diesem Sinne: Herzlich Willkommen!

 

Ihr

Frank Hoffmann