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GRUSSWORT
UND WENN ICH AUCH AUF DIESER ERDE NIRGENDS MEINEN PLATZ FINDEN SOLLTE, SO FINDE ICH VIELLEICHT AUF EINEM ANDERN STERN EINEN UM SO BESSERN.
Heinrich von Kleist
Liebes Publikum!
Wir sind Kulturhauptstadt! Endlich! Im Geist waren die Ruhrfestspiele seit ihrem Beginn Kulturhauptstadt. Dieser europäische Gedanke heißt heute RUHR.2010. Wir freuen uns. Unser Beitrag zum Kulturhauptstadtprogramm steht unter dem Titel „Kontinent Kleist im romantischen Meer“ und durchzieht das gesamte Ruhrfestspielprogramm. Ein Laboratorium zu Kleist. Eine Werkschau, wie sie bis dato nicht zu sehen war. Wir wollen Ihnen die Möglichkeit
geben, fast das gesamte dramatische Werk eines der größten Dichter, die in deutscher Sprache für das Theater geschrieben haben, kennenzulernen oder wiederzuentdecken.
Die Romantiker waren seine Freunde, aber nicht seine Wegbegleiter, Immanuel Kant eine reißende Klippe, an der er zerschellen musste; ein Einsamer, dem „auf Erden nicht zu helfen war“. Ein selbstgewähltes Ende mit 34 Jahren in einer Sandkuhle im Südwesten Berlins. Verkannt für 100 Jahre und dann plötzlich ein Planet am Theaterhimmel. Wozu Kleist noch heute Autoren inspiriert, zeigen wir in zwei Uraufführungen von Oliver Bukowski und Bettina Erasmy. Darüber hinaus denken wir nachhaltig: Seit diesem Jahr verleihen die Ruhrfestspiele gemeinsam mit dem Kleist Forum und der Stadt Frankfurt/Oder für drei Jahre den Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker.
Und das romantische Meer, das Kleist umspült? Es rauscht, es brandet am Sonntagvormittag im Großen Haus: prominente Schauspieler lesen die Perlen romantischer Prosa von Hölderlin bis Eichendorff. Eine heißgeliebte Reihe des Festivals, dieses Lesetheater, dessen Bilder in den Köpfen der Zuhörer entstehen. Doch der einzige Dramatiker von Weltruf, den die Romantik hervorgebracht hat, war Heinrich von Kleist, Kontinent und Meer zugleich.
Zum Kulturhauptstadtjahr bieten die Ruhrfestspiele neben Kleist ein vielfältiges Programm, in dem es manchmal sehr romantisch zugeht. So in den zwei Shakespearekomödien Der Sturm (eine Weiterführung des Bridge Projects) und Was ihr wollt (mit einerhochkarätigen Besetzung), aber auch The Infernal Comedy mit Hollywoodstar John Malkovich als fiebernder Massenmörder kommt allerhand schräg-schwärmerisch daher. Und mit David Harrower verleiht Luc Bondy Schnitzlers Liebelei den entscheidenden poetischen Kick.
Dazu die Musik: The Sound of Silence, gesehen durch das magische Auge von Alvis Hermanis, und ein verrücktes Theatertreffen à la Gedeon! Die Ur- und Erstaufführungen rücken immer mehr ins Herz der Festspiele vor. Raus aus der Nische, hinein ins Zentrum! Bedeutende Autoren (wie Tankred Dorst oder Kerstin Specht), große Schauspieler (wie Dominique Horwitz oder Hanna Schygulla) neben zahllosen jungen Talenten zeigen, wie ernst wir es mit der neuen Dramatik meinen. Und: Nach den Festspielen im Herbst steigt unser großes Jugendprojekt zum Kulturjahr: RuhrNation, das vor zwei Jahren anlief. Das Fringe-Festival belebt die Festivalstadt, die Scorpions – endlich sind sie da –! rocken den Hügel, der in 2010 bebt! Kommen Sie!
Ihr

Frank Hoffmann
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Kontinent Kleist
im romantischen Meer
Das Programm der Ruhrfestspiele zur Kulturhauptstadt
SEINE TEXTE SIND SINGULÄR. ALLES, WAS IN IHNEN SICH EREIGNET, IST SPRACHE GEWORDEN. KEIN WORT ZU VIEL, KEINES ZU WENIG. SEINE GESTALTEN WERDEN FLEISCH UND BLUT DURCH SYNTAX UND INTERPUNKTION, DURCH VERS UND REINE PROSA. UND DURCH SCHAUSPIELER NATÜRLICH. DAS IST KLEIST.
Zur europäischen Kulturhauptstadt ruhr.2010 zeigen die Ruhrfestspiele eine einzigartige Werkschau zum Thema Kontinent Kleist im romantischen Meer. Kleists Utopie einer neuen Gesellschaft trifft auf den Traum der Region von einer neuen europäischen Identität. Eine Vielzahl dieser Projekte erleben ihre Premiere bei den Ruhrfestspielen.
ZU HEINRICH VON KLEIST
Robert Guiskard (1802 –1803, 1808). Regie: Frank Hoffmann
Der zerbrochne Krug (1802 –1803). Regie: Jan Bosse
Amphitryon (1807). Regie: Jan Bosse
Die Marquise von O… (1808). Regie: Kevin Rittberger
Die Hermannsschlacht (1808). Regie: Dusan David Parizek
Penthesilea (1808). Regie: Roger Vontobel
Das Käthchen von Heilbronn (1807 –1808, 1810). Szenische Lesung
Prinz Friedrich von Homburg (1809 –1811). Regie: Andreas Kriegenburg
Kleist-Briefe, gelesen von Fritzi Haberlandt und Norbert Lammert
Für eine Literatur des Krieges, Kleist. Eine Lesung von Mathieu Carrière
ZWEI AUFTRAGSARBEITEN ZU KLEIST:
Wenn ihr euch totschlagt, ist es ein Versehen von Oliver Bukowski
Das wollt ihr nicht wirklich von Bettina Erasmy
KLEIST-FÖRDERPREIS FÜR JUNGE DRAMATIKER 2010:
Warteraum Zukunft von Oliver Kluck
ZUR ROMANTIK:
Hyperion von Friedrich Hölderlin, gesprochen von Heinz Bennent
Hymnen an die Nacht von Novalis, gelesen von Christian Brückner, Musik: Kai Brückner
Der gestiefelte Kater von Ludwig Tieck, gelesen von Otto Sander
Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders von Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck,
gelesen von Burghart Klaußner.
Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph Eichendorff, gelesen von Ulrich Matthes
Die Bergwerke zu Falun von E.T.A. Hoffmann, gelesen von Michael Vassiliadis und Frank Hoffmann
Romantik is Dead nach P.B. Shelley, von George F. Walker und Joachim Zelter
KUNSTAUSSTELLUNG:
Das unsichtbare Theater des Herrn von Kleist
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