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Einzigartige Werkschau zu Kleist ein voller Erfolg der 64. Ruhrfestspiele

11.06.2010

In einer noch nie da gewesenen Werkschau stellten die 64. Ruhrfestspiele unter dem Motto „Kontinent Kleist im romantischen Meer“ den großen deutschen Dramatiker Heinrich von Kleist ins Zentrum der diesjährigen Spielzeit – zugleich ein wertvoller Beitrag der Ruhrfestspiele zum Kulturhauptstadtjahr 2010. 

Warum Kleist? Als einziger Dramatiker schwebt er zwischen Romantik und Klassik, zugleich ist er in seiner inneren Zerrissenheit ein ganz Moderner. Bei den Ruhrfestspielen waren nicht allein seine großen Klassiker zu erleben. Auch kaum gespielte Stücke, wahre Juwelen aus der Feder Kleists wurden wiederentdeckt. Mit einer solchen Wiederentdeckung, Robert Guiskard in einer eigenen besonderen Fassung, wurden die diesjährigen Ruhrfestspiele eröffnet.

„In dieser Festspielzeit insbesondere das Werk Kleists in den Mittelpunkt zu stellen und dazu mit dem eher unbekannten Werk Robert Guiskard zu eröffnen, war sicherlich ein Wagnis. Dass unser Konzept jedoch vollkommen aufgegangen ist, zeigt sowohl der große Zuspruch des Publikums, als auch die positive Resonanz der Medien“, so Festspielleiter Frank Hoffmann.

In der Eröffnungspremiere Robert Guiskard, einer Koproduktion mit dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg unter der Regie von Frank Hoffmann, durften wir Thomas Thieme in der Titelrolle erleben. Weitere bedeutende Werke Kleists folgten: Prinz Friedrich von Homburg, Amphitryon, Der zerbrochne Krug, Die Hermannschlacht, Die Marquise von O…, Penthesilea sowie die szenische Lesung Das Käthchen von Heilbronn. Einblicke in die Gedankenwelt und Persönlichkeit des Künstlers boten darüber hinaus zwei Lesungen (Kleist-Briefe und Für eine Literatur des Krieges, Kleist) sowie zwei Auftragsarbeiten zu Kleist: Wenn ihr Euch totschlagt, ist es ein Versehen von Oliver Bukowski und Das wollt ihr nicht wirklich von Bettina Erasmy. Diese fanden bei den Ruhrfestspielen ihre Uraufführung.

Erstmals wurde 2010 im Rahmen einer dreijährigen Kooperation mit der Kleist-Stadt Frankfurt/Oder und dem Kleist-Forum gemeinsam mit den Ruhrfestspielen der Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker verliehen. Die Uraufführungen der Preisträgerstücke finden jeweils bei den Ruhrfestspielen statt. Der Startschuss fiel in diesem Jahr mit der von Publikum und Medien gefeierten Uraufführung von Warteraum Zukunft von Oliver Kluck (Preisträger 2010).

Eigens für die Ruhrfestspiele wurde gemeinsam mit dem Kleist-Museum Frankfurt/Oder eine Kunstausstellung zu dem großen deutschen Dramatiker konzipiert: Das unsichtbare Theater des Herrn von Kleist zeigte mitunter die Auseinandersetzung verschiedener Künstler (u. a. Oskar Kokoschka und Max Slevogt) mit Kleist und seinem Werk und dokumentierte die bewegten Lebensstationen des unruhigen Geistes.

Eingebettet wurde das Thema Kleist in einen Werke-Komplex aus der Epoche der Romantik von Novalis über Ludwig Tieck und Joseph von Eichendorff bis zu E.T.A. Hoffmann. Darunter berührende wie fesselnde Lesungen von populären Schauspielern wie Christian Brückner, Otto Sander, Burghart Klaußner und Ulrich Matthes. Das Thema Romantik stand außerdem im Mittelpunkt einer weiteren Uraufführung, dem Doppelprojekt Romantik is Dead: Zastrozzi von George F. Walker und Die Lieb-Haberin von Joachim Zelter.

Neue Partnerschaften sind entstanden, neue Kooperationen wurden geknüpft:

Großartige Resonanz fand die Produktion des Ronacher Theaters Wien: The Infernal Comedy – Confessions of a serial killer von Michael Sturminger brachte wahrhaftes Hollywoodflair nach Recklinghausen. In der musikalischen Theateradaption der Ereignisse rund um Serienkiller Jack Unterweger glänzte der charismatische Hollywood-Star John Malkovich in der Titelrolle.

Darüber hinaus freuten sich die Ruhrfestspiele über eine neue Kooperation mit dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden („Das wollt ihr nicht wirklich“).

Was im vergangenen Jahr so erfolgreich begonnen hat, wurde in diesem Jahr fortgeführt. Das Bridge Project zeigte mit Der Sturm - The Tempest in der Regie von Oscar-Preisträger Sam Mendes großes Shakespeare-Theater. Diesmal in einer neuen internationalen Besetzung, darunter Tony-Award-Gewinner Stephen Dillane.

Eine weitere Deutschlandpremiere präsentierten die Ruhrfestspiele gemeinsam mit dem Young Vic London und den Wiener Festwochen mit Sweet Nothings unter der Regie von Luc Bondy in einer beeindruckenden Arena in der Vestlandhalle.

Edgar Selge und Franziska Walser begeisterten in der Produktion Der zerbrochne Krug, Hanna Schygulla mimte Marieluise (Fleisser). In der turbulenten Shakespeare-Komödie Was ihr wollt standen Schauspielgrößen wie Ilse Ritter, Vadim Glowna und die beliebte Sängerin Gitte Haenning gemeinsam auf der Ruhrfestspielbühne. Dominique Horwitz brillierte in der Deutschen Erstaufführung der restlos ausverkauften Produktion Ich soll den eingebildet Kranken spielen. Zuvor nahm er sich gemeinsam mit Autor Tankred Dorst und Ursula Ehler die Zeit, im Rahmen eines Publikumsgesprächs Fragen zum Stück und zur Produktion zu beantworten.

Speziell die kleinen Besucher freuten sich über die phantasievolle Märchenoper Hänsel und Gretel. Ein urkomischer Spaß für die ganze Familie war die neu dazu gewonnene Produktion Semianyki vom Clowns-Theater Licedei, die im Rahmen des beliebten Family-Day-Programms angeboten wurde.

Insgesamt 14 Produktionen der Off-Szene waren im Rahmen des Fringe Festivals vom 26. Mai bis 11. Juni zu sehen. Neben den bewährten Spielstätten Fringezelt am Petrinum und der Sparkasse Vest wurde erstmals die Kunsthalle bespielt, in der Eva Mattes mit ihrem musikalischen Programm ebenso begeisterte wie Anneke Schwabe in Gilgi. Auf der Fringe-Meile in der Recklinghäuser Innenstadt sorgten internationale Straßenkünstler mit außergewöhnlichen Performances für Aufsehen.

Allein im IN-Festival waren insgesamt 46 Produktionen zu sehen, darunter 3 Deutschland-premieren, 5 Uraufführungen, 1 deutsche Erstaufführung und 5 Neuinszenierungen. Das Gros der 16 Koproduktionen der Ruhrfestspiele wird auf weiteren renommierten nationalen und internationalen Bühnen zu sehen sein.

Zu Gast bei den Ruhrfestspielen 2010: Thomas Thieme, Wolfram Koch, Mathieu Carrière, Juliane Koren, Ole Lagerpusch, Edgar Selge, Franziska Walser, Jean-Pierre Cornu, Stephen Dillane, Juliet Rylance, Christian Carmago, John Malkovich, Jana Schulz, Markus John, Hanna Schygulla, Katja Danowski, Lukas Holzhausen, Dominique Horwitz, Miriam Horwitz, Anne Moll, Hans Löw, Anja Schneider, Markus Boysen, Hans Diehl, Vadim Glowna, Gitte Haenning, Dieter Laser, Ilse Ritter, Angela Schmid, Elisabeth Trissenaar, David Bennent, Christian und Kai Brückner, Otto Sander, Fritzi Haberlandt, Dr. Norbert Lammert, Burghart Klaußner, Michael Vassiliadis, Ulrich Matthes, Eva Mattes, um nur einige zu nennen.

Partnertheater:
Deutsches Schauspielhaus in Hamburg, Deutsches Theater Berlin, Maxim Gorki Theater Berlin, BAM New York, The Old Vic London, Ronacher Theater Wien, Theater Lindenhof Melchingen, Grand Théâtre de Luxembourg, Company CIRCA, Schauspiel Frankfurt, Théâtre National du Luxembourg, Zimmertheater Tübingen, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, The Young Vic London, Wiener Festwochen, Renaissance-Theater Berlin und viele weitere.

Die Festspiele enden am Sonntag, 13. Juni 2010. Bereits am Samstag, den 12. Juni um 20.00 Uhr feiern die Ruhrfestspiele ihren Erfolg gemeinsam mit Publikum, Künstlern und Freunden beim großen Openair-Konzert mit den Scorpions.
 

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