„The Infernal Comedy – Confessions of a serial killer“
04.06.2010
Sehr geehrte Damen und Herren, mit der Produktion „The Infernal Comedy – Confessions of a serial killer“ von Michael Sturminger bringen die Ruhrfestspiele auch in diesem Jahr wieder Hollywoodflair nach Recklinghausen. In der musikalischen Theateradaption der Ereignisse rund um den Serienmörder Jack Unterweger ist Hollywood-Star John Malkovich in der Titelrolle zu sehen. An seiner Seite die Sopranistinnen Marie Arnet und Louise Fribo, musikalisch begleitet vom Orchester Wiener Akademie. Protagonist der Geschichte ist Jack Unterweger. Der 1974 zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder, hatte im Gefängnis zu schreiben begonnen. Seine Autobiographie, seine Theaterstücke machten ihn als "Häfenliterat" so bekannt, dass er aufgrund einer Petition von 700 Intellektuellen 1990 vorzeitig aus dem Gefängnis in den offenen Strafvollzug entlassen wurde. Wieder in Freiheit wurde er von der Wiener Schickeria als Journalist und Shootingstar der Literaturszene gefeiert, als Reporter für Hochglanzmagazine auch in die USA geschickt. Seine literarischen Vortragsreisen nutzte er jedoch, weitere Morde in Graz, Prag, Bregenz, Los Angeles und Wien zu begehen. In der Nacht nach seiner endgültigen Verurteilung 1994 beging er in der Zelle Selbstmord. Der Fall Unterweger wird allgemein bis heute als Musterbeispiel für fehlgeleitete Resozialisierungsmaßnahmen betrachtet. Seine Anziehungskraft, sein Charisma prädestinierten ihn zum Verführer. Noch heute sind Weggefährtinnen von seiner Unschuld überzeugt. Ein auf Schein, Lüge und Täuschung beruhendes Selbstverständnis thematisiert der Beginn des Abends: Post mortem beginnt der "Knastpoet" eine seiner Lesungen, diesmal in der Unterwelt. Es ist die Lesung seiner diesmal "wahren" Autobiographie, eines Buches, das im wirklichen Leben unmöglich, weil für ihn tödlich gewesen wäre. Zwei Frauen kreuzen seinen Weg: Sie repräsentieren, die abwesende Mutter, die Geliebte, die Verehrerin, das Opfer. Die beiden Sängerinnen sind vorerst bloß Aufputz eines künstlerischen Abends. Ihre Gesänge, die großen Szenen des 18. Jahrhunderts reflektieren jedoch mit wachsender Spannung Affekte, Gefühle, Lebenszustände der weiblichen Opfer. Musik, die Klassik des 18. Jahrhunderts erfüllt hier zwei Aufgaben: melodramatisch legen sich die Instrumentalwerke Glucks und Boccherinis der Sprache unter, sie kommentieren und begleiten. Als große Interpolationen unterbrechen jedoch die Szenen und Arien von Haydn, Mozart, Weber und Vivaldi den gesprochenen Text. Bewusst gesucht ist der Kontrast zwischen neuem Text und alter Musik, sind durch rhetorischen Strukturen der großen Werke des 18. Jahrhunderts in ihrem zeitlosen Anspruch optimaler Ausdruck menschlichen Leidens und Glücks. "The Infernal Comedy" schließt an jene große Tradition der klassischen Melodramen an, die schon von Mozart bewundert worden waren. Schauspiel, Gesang und Musik sollen hier zu einer ganz besonderen Verbindung geführt werden. Ensemble John Malkovich ist einer der wichtigsten und charismatischsten Schauspieler des heutigen Kinos. Er wirkte in über 65 Filmen mit – viele von ihnen Klassiker – und ist seit einigen Jahren auch als Regisseur und Produzent tätig. John Malkovich wurde 1953 in Christopher im US-Bundesstaat Illinois geboren, etwa 500 Kilometer südlich von Chicago. Seine Mutter ist schottischer, sein Vater kroatischer Abstammung. Malkovich studierte an der Illinois State University und hielt sich mit Jobs wie Busfahrer, Maler und Verkäufer über Wasser. Seinen Abschluss erhielt er allerdings erst 2005 – die Universität erließ ihm die letzte noch ausstehende Prüfung, einen Test über die Verfassung der Vereinigten Staaten. 1976 wurde Malkovich Ensemblemitglied am Steppenwolf Theatre in Chicago, das sein Freund Gary Sinise – inzwischen ebenfalls ein bekannter Schauspieler – gegründet hatte. Noch heute kehrt Malkovich regelmäßig an das Theater zurück, an dem er sich seine ersten Sporen als Bühnenschauspieler verdiente. Im Jahr 1983 zog John Malkovich nach New York, um dort im folgenden Jahr neben Dustin Hoffman in der Broadway-Version von Arthur Millers Drama Death of a Salesman zu spielen. Das Stück wurde ein solcher Erfolg (Malkovich erhielt dafür einen Emmy), dass Volker Schlöndorff 1985 eine Fernsehfilmfassung produzierte. Bereits 1984 hatte Malkovich in The Killing Fields – Schreiendes Land mitgewirkt, einem Antikriegsfilm über den Völkermord in Kambodscha. Im selben Jahr erhielt er seine erste Oscarnominierung für eine Nebenrolle in Places in the Heart. Seinen endgültigen Durchbruch feierte John Malkovich dann 1988 als eiskalter Verführer Vicomte de Valmont in Dangerous Liaisons (Gefährliche Liebschaften). Der opulente Kostümfilm erhielt drei Oscars; John Malkovichs Zusammenspiel mit Michelle Pfeiffer und Glenn Close wurde weltweit hoch gelobt. Mit Dangerous Liaisons etablierte sich John Malkovich auch als profiliertester Darsteller komplexer, abgründiger, oft hochintelligenter und intellektuell herablassender Charaktere. So wurde er für seine Rolle als psychopathischer Präsidenten-Attentäter in Wolfgang Petersens In the Line of Fire (neben Clint Eastwood) sowohl für den Oscar als auch für den Golden Globe nominiert. In Con Air spielte er einen gefährlichen Kriminellen (neben Nicolas Cage), in Eragon – DasVermächtnis der Drachenreiter den tyrannischen König. Zum Spektrum seiner Charaktere zählen jedoch auch der sympatische Schurke (Ripley’s Game), der gescheiterte Intellektuelle (Himmel über der Wüste) und der Zyniker (Der Mann mit der eisernen Maske). Zuletzt spielte er im Film Burn After Reading der Coen-Brüder an der Seite von Brad Pitt, George Clooney, Frances McDormand und Tilda Swinton den frustrierten CIA-Analytiker Osbourne Cox. Eine sehr spezielle Würdigung wurde ihm 1999 zuteil: Im surrealen Film Being John Malkovich spielt er sich selbst. Dabei findet ein erfolgloser Puppenspieler (John Cusack) zufällig einen Eingang in sein Gehirn. Nachdem er lange Zeit in Frankreich gelebt hatte, wohnt John Malkovich heute hauptsächlich in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts. Er hat zwei Töchter. Die aus Schweden stammende Sopranistin Marie Arnet erhielt ihre Ausbildung an der Royal Academy of Music in London und am National Opera Studio. Mit Paul McCreesh und dem Gabrieli Consort war sie in Mozarts Requiem zu hören, mit René Jacobs und dem Orchestra of the Age of Enlightenment in Händels Oratorium Solomon. Besonders gelobt wurde sie für ihre Partie in Brahms’ Ein Deutsches Requiem bei den Proms mit James Conlon. Zu ihren vielfältigen Opern-Engagements zählen unter anderem Barbarina und Susanna in Le nozze di Figaro, Diane in Iphigénie en Aulide und Ilia in Idomeneo unter Sir Simon Rattle beim Glyndebourne Festival. 2004 erhielt sie dort auch große Anerkennung für ihre Interpretation der Mélisande in Pelléas et Mélisande In jüngerer Zeit war Marie Arnet erneut in Mozarts Requiem mit dem London Symphony Orchestra unter Sir Colin Davis in London und New York zu hören, außerdem auf einer Tournee mit Bachs Weihnachtsoratorium mit William Christie und Les Arts Florissants. Louise Fribo studierte an der Akademie der Königlichen Oper Kopenhagen. Am selben Haus feierte sie 2004 auch ihr Debüt als Barbarina in Mozarts Le nozze di Figaro. Zudem sang sie die Musetta in Il re pastore unter Adam Fischer in Kopenhagen und Mannheim. Im April 2004 wurde sie für ihre Rolle als Zerbinetta in Richard Strauss’ Ariadne auf Naxos am Theater Lübeck von der Presse hoch gelobt. Mit derselben Rolle debütierte sie zwei Jahre später an der Mailänder Scala. Weitere Auftritte umfassen unter anderem die Salzburger Festspiele, die Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte in Bonn sowie Gastspiele an der Opéra National de Lyon. Louise Fribo tritt zudem regelmäßig als Konzertsängerin mit den führenden Orchestern Dänemarks auf. Vor ihrer Opernkarriere war Louise Fribo bereits als Musicalsängerin aktiv, so unter anderem bei Cats in Hamburg. Das dänische Publikum kennt ihre Stimme zudem aus den dänischen Versionen der Disney-Filme Die kleine Meerjungfrau, Die Schöne und das Biest und Mary Poppins. Dirigent THE INFERNAL COMEDY – CONFESSIONS OF A SERIAL KILLER Premiere: 2. Juni 2010 um 20.00 Uhr im Ruhrfestspielhaus Bildmaterial unter www.ruhrfestspiele.de (Presse/Bildarchiv) Kontakt: |















